FDP-Wettbewerb

Ich habe nicht schlecht geguckt als ich gestern nebenstehenden Brief in meinem Postkasten fand. Da ruft die FDP Sachsen-Anhalt doch nun tatsächlich zu einem super tollen Wettbewerb zur Neugestaltung Ihrer Parteihomepage auf. An sich ja kein Problem, doch handelt es sich bei der Anfrage eben nicht um die Anfrage nach einem direkten Angebot zur Umsetzung der ganzen Webseite, sondern zum Aufruf zur Teilnahme an einem Wettbewerb. Soll heißen:

Ich soll einfach mal schnell ein Layout zusammenklickern (ist ja laut allgemeiner Denkweise auch in 5 Minuten getan) und kann danach mein Kunstwerk wie in Kindestagen an die FDP-Juri schicken, die dann unter allen Einsendungen die drei besten Entwürfe herauspickt. Die Gewinner erhalten dann ein Preisgeld von bis zu astronomischen 500€. Die besten drei dürfen dann weiter um die restliche Auftragsvergabe durch die FDP buhlen.

Geht es nur mir so oder wird dieses Spielchen immer öfter getrieben? Vorbei die Zeiten wo Kunde A durch Empfehlungen oder gute Referenzen auf Firma B aufmerksam gemacht wurde und schließlich bei dieser eine Webseite in Auftrag gegeben hat? Oder wo sind die Zeiten hin wo eine ganz normale Ausschreibung herausgegeben wurde an denen man sich ganz gewöhnlich beteiligen konnte?

Nein, das wär ja doof. Da würde man ja nur von EINEM Gestalter ein paar Entwürfe bekommen, wie uncool. Heute lässt man lieber 2000 Leute für sich arbeiten, pickt sich dann das beste raus und schickt zum Schluss wieder 1999 Firmen nach Hause, die sich dann darüber ärgern können das sie sich umsonst die ganze Mühe gemacht haben.

Ich für meinen Teil finde diese Entwicklung doch sehr bedenklich, wenn das irgendwann alle so machen kann ich ja jeden Tag an einem Wettbewerb teilnehmen und hoffen das ich irgendwann mal einer der Glücklichen bin der den Zuschlag bekommen hat.

Irgendwie erinnert mich das manchmal auch an meine Kindergartenzeit, wo Tante Helga dann zum Schluss das beste Buntstiftbild aus meiner Fitzliputzli-Gruppe mit einem Lolli prämiert hat.

Nicht das ich generell etwas gegen Wettbewerbe habe. Sowas wie der Mr. Wong Logocontest ist schon eine feine Sache, schon allein weil das Preisgeld für mich angemessen scheint, die Erfolgschance ist jedoch auch leider dementsprechend gering.

Also Wettbewerbe JA, aber nicht aus Teufel komm raus…

Übrigens hat die FDP Sachsen-Anhalt auch ganz genaue Vorstellungen was Ihre spätere Webpräsenz angeht, da wird einem sogar schon der Farbcode (übrigens liebe ich es wenn im Web Farbcodes als HKS-Nummer angegeben werden, HEX ist ja auch doof), das gewünschte CMS und was auf keinen Fall auf die Seite darf vorgegeben.

Für mich gilt bisher immer die Regel:
Kein Design vor der Auftragsbestätigung, und so bleibt es (hoffentlich) auch.

Achso: Man sollte weniger arbeiten wenn man statt FDP immer FTP schreibt.



Kommentare zum Thema Wettbewerbe als neue Form der Auftragsvergabe?:

1 | Eric Eggert schrieb am 18.08.2007 um 16:59
2 | Michel schrieb am 18.08.2007 um 17:15
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Du sollst also erstmal n Entwurf schicken für den du 500 bekommst und dann darfst du evtl. noch den Rest machen und der wird dir auch noch bezahlt? So hab ich das jetzt verstanden ;)

Die Wettbewerbs-Welle nimmt in letzter Zeit zu. Oder man hört nur mehr davon. Angefangen bei Becks über das Smashing-Magazine-Logo bis zu Mister Wong. Find ich teilweise auch ziemlich daneben.

Den hier find ich allerdings schon wieder sympathisch.

3 | Christian schrieb am 18.08.2007 um 17:42
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Du sollst einen voll ausgearbeiteten Entwurf zuschicken, wenn du dann unter den besten 3 Einsendern bist bekommst du dafür 500, 300 oder 200€ und die sensationelle Chance den FDP-Auftritt für wenig Geld umsetzen zu dürfen (meine Vermutung).

4 | Christian Kuhn schrieb am 18.08.2007 um 23:59
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Auch wir haben diese Ausschreibung erhalten. Doch schon als ich Typo3 gelesen habe, wurde mir klar, dass sich nicht mal die Mühe eines Angebotes lohnen würde. Zudem gilt auch bei uns die Regel: Kein Design ohne Auftragserteilung. Übrigens war ein Angebotsformular dabei, welches man recht fix hätte ausfüllen können. Jedoch wären die individuellen Unterschiede und konzeptionellen Herangehensweisen der einzelnen Dienstleister dabei völlig untergegangen. Man hätte keine Chance gehabt, sich als Unternehmen wirklich umfassend und professionell darzustellen. Für mich sind solche Dinge wichtiger als der eigentliche Preis. Denn billig kann jeder.

5 | Christian schrieb am 19.08.2007 um 00:35
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Hey Christian, endlich wird mal dein Gravatar angezeigt ;)

Ja, ich denke diese Ausschreibung Wettbewerbsunterlagen hat jeder der halbwegs was mit Webdesign in SA am Hut hat gestern im Postkasten gehabt.

Ich finde es nur traurig das jetzt sogar schon die Parteien den Weg des Dumpings gehen… ich kann einfach nur hoffen das so wenig Leute wie möglich an dem “Wettbewerb” teilnehmen, damit die ganze Geschichte nachher nicht noch zum Standard mutiert.

6 | plush schrieb am 19.08.2007 um 14:22
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Leider wird es genug Dummköpfe geben die mitmachen und dann hat sich die Sache für den Auftraggeber auch noch gelohnt :/
Ist aber schon arm das man sowas als Partei schon nötig hat!

7 | Markus schrieb am 20.08.2007 um 09:03
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Vielleicht winkt neben dem Preisgeld auch noch eine lebenslange kostenlose FDP Mitgliedschaft. Und das lohnt sich doch nun wirklich, oder? ;-)

Spaß bei Seite. Ich bin zwar weder Designer, noch selbsstaändig, aber ich finde es auch komisch, dass eine Partei sich solcher Methoden bedient. Schön, dass Ihr Euch daran nicht beteiligt.

8 | Reinmar schrieb am 26.08.2007 um 00:52
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Wer so etwas “anbietet”

– hat entweder keinen Schimmer von realistischen Vergütungsdimensionen, oder

– hat diese sehr wohl und nutzt den Contest bewusst als Vorwand, schnell an hoffentlich viel günstige Qualität zu kommen.

Egal, welcher Fall nun wirklich zutrifft: leicht ekelerregend.

Siehe auch die aktuelle Diskussion bei Zeldman

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