Stress

Diese Frage stelle ich mir nun schon seit ein paar Wochen. Gegen Jahresende kommt ja bei vielen Agenturen und Freelancern meist das dicke Ende im Bereich der Kundenaufträge.

Warum das so ist? Nun, viele Firmen haben Werbebudgets die am Jahresanfang frisch aufgefüllt werden. Da fast jedes Unternehmen Angst hat das Budget zu schnell zu verpulvern wird dieses meist das ganze Jahr über kaum angefasst, bis man dann im Oktober oder manchmal auch erst im November merkt, das ja noch 90% des Budgets vor sich hin schlummern. Und nun? Mhm, da wird mal schnell die Werbeagentur um die Ecke angerufen um noch mal ein bisschen oder auch ein bisschen mehr Werbekrams zu bestellen. Egal ob Flyer, Visitenkarten, neues Logo oder Webseiten, Hauptsache die Rechnung ist bis zum Jahresende da. Wobei mir da gerade noch der zweite Grund einfällt: Die lieben Steuern. Da fällt dann auch zum Jahresende noch vielen Kleinunternehmen ein, das Sie ja kaum was in diesem Kalenderjahr ausgegeben haben und die Lohnsteuer somit ziemlich hart zuschlagen könnte, bevor der Staat die Kohle kriegt wird dann meist noch Versucht irgendwas halbwegs Sinnvolles produzieren zu lassen.

Ok, doch worauf ich eigentlich hinaus will ist, das für uns Leute aus der Werbebranche das ganze natürlich ein wenig haarig ist. Bis Silvester kommt man aus der Arbeit eigentlich kaum noch raus, und auch die Freundin verlernt so allmählich wie man eigentlich aussieht. Punkt 24 Uhr am 31.12 ist der Spuck dann auch meist vorbei.

Man merkt die erhöhte Anzahl von eingehenden Anfragen doch ziemlich, und so frage ich mich ob man es sich bei entsprechend gefülltem Auftragsheft denn erlauben kann den ein oder anderen Kunden auch mal zu vertrösten? Ich finde nichts ist schlimmer als 15 Kunden gleichzeitig zu betreuen, das führt nur zum Vergessen von Aufgaben, dem vernachlässigen von Prioritäten und letztendlich auch dem Kunden. Sicherlich, der Verdienst kann dabei beachtlich sein… doch aber wohl nicht um jeden Preis?

Wie seht ihr das? Muss man den Kunden um jeden Preis halten und wenn nötig den 48 Stunden-Tag erfinden oder teilt ihr es den Anfragenden direkt mit wie euer derzeitiger Auftragsstand aussieht?

Doch warum dann die Kunden in die Pampa schicken? Wie sieht es bei euch mit lokalen Netzwerken aus in denen man sich bei entsprechender Auslastung auch mal die Kunden untereinander vermittelt, ohne dabei gleich in Eifersüchteleien zu verfallen?


Kommentare zum Thema Darf man Anfragen ablehnen?:

1 | Veit schrieb am 11.10.2007 um 23:19
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Wenn ich für einen Auftrag im Moment keine Ressourcen habe, dann sage ich das meinem Kunden und versuche nicht auf Teufel komm raus den Auftrag zu erledigen. Ich denke, es ist viel wichtiger, die aktuellen Aufträge bestmöglich und zügig umzusetzen, so dass die Bestandskunden zufrieden sind. Wenn ich eine Anfrage habe und momentan keine Zeit dazu (oder es ist nicht ganz meine Schublade und ein anderer könnte das viel schneller umsetzen als ich), dann verweise ich gerne auch mal auf einen Kollegen, sofern der Zeit hat. Ich habe nämlich auch das Problem, dass ich mich bei zu vielen Sachen gleichzeitig schnell verzettele. Nichts ist blöder, als wenn ein Kunde anruft und dich fragt, wie/wann/ob es denn nun mal weiter geht mit seinem Auftrag.

Wenn ich jetzt z.B. ne CakePHP- oder TextPattern-Anfrage bekommen würde, würdest du mir als erster einfallen. Umgekehrt biete ich mich hiermit an, falls du mal jemanden hast, der ne Typo3-Lösung will. Oder auch ne Print-/Layout-Geschichte.

2 | Christian schrieb am 12.10.2007 um 07:09
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Du sprichst da was interessantes an: Ein gutes Kundennetzwerk!

Beispiel Typo3: Da haben mich in den letzten Monaten mindestens 3 Anfragen zu erreicht, die ich jedoch alle ins Nirvana schicken musste, weil ich einfach kein Know-How in Sachen Typo3 habe und in Zukunft auch nicht haben will, weil der Markt einfach gesättigt ist.

So, nun werden die Anfragenden natürlich einfach den nächst Besten suchen der Typo3 anbietet und können dabei was die Qualität angeht gehörig übers Ohr gelegt werden… also warum nicht ein Netzwerk bilden mit Leuten von denen man halbwegs weis das diese auf Qualität achten, bevor der Kunde zu irgendeiner dahergelaufenen Agentur rennt die seit 2 Monaten auch Webdesign machen.

Sowas ginge natürlich nur wenn alle an einem Strang ziehen und sich auch mal eingestehen das sie nicht alle Themengebiete abdecken können, wie du es ja schon sagtest. Ich glaube ich werde das mal als Idee in der Webkrauts-Gruppe vortragen… nur leider ist zumindest in meinem lokalen Umfeld kaum ein gescheiter Webdesigner zu finden, und leider wollen die Leute oft die nähe zum Anbieter, obwohl das aus meiner Sicht oft Humbug ist.

3 | Steffen schrieb am 12.10.2007 um 10:08
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Dieses Geschäftsgebaren funktioniert aber auch nur, wenn man weiß das derjenige der den Auftrag vermittelt bekommt auch vernünftig Arbeitet.

Ich kenne das von lokalen Händlern, Frisören usw. Wenn die keine kapazitäten haben wird einfach auf den kollegen verwiesen. Andersrum genau so… Coole Sache wenn es funktioniert!

4 | stefano picco schrieb am 12.10.2007 um 13:05
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alles soweit annehmen und im hintergrund an kollegen und partner weiterdeligieren, hauptsache der kunde ist mit der arbeit zufrieden und wickelt alles über einen selber ab :)

5 | Hasch schrieb am 12.10.2007 um 13:15
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Leider sieht man in den vergangenen Jahren immer wieder, dass auch das Web kommerzialisiert wird, d.h. es wird auf “Massenproduktion” gesetzt, teilweise geprägt durch die Kunden, die durch unsere gesellschaftliche Prägung das Web als Teil des Dienstleistungssektors sehen, mit Recht, aber Webentwicklung hat sich einmal durch eine enorme Kreativität ausgezeichnet, es ist meines Erachtens ein künstlicherisches Werk im weitesten Sinne, sodass die ganzen Frameworks, CMSs, etc. diese künstliche Arbeit sehr einschränken, dafür aber Zeit gutmachen. Ich persönlich habe mich deshalb aus dem großen Bereich der Webentwicklung zurückgezogen und entwickle nur noch für “kleine” Aufträge d.h. für Kunden, die diese Arbeit auch als Dienstleistung sehen und nicht als Massenprodukt, welches man einfach aus einem Ordner holt, anpasst und veröffentlicht. Das Problem dabei ist, dass man so nicht überleben kann, sondern dies als Nebenverdienst akzeptieren muss.

Spätestens dann, wenn Webanwendungen unsicher werden, erste Sicherheitslücken Kunden betreffen und das Buget der Unternehmen nachträglich “geschöpft” wird, muss ein Umdenken auf allen Seiten stattfinden.

Ich persönlich versuche einen guten Weg zwischen euphorischer Entwicklung und dem sogenannten “Real Life” zu finden, um nicht als workaholic zu enden, nur um 2 Mark mehr am Ende des Monats zu haben. Ich denke auch, dass hier jeder Entwickler/Agentur aufgerufen ist, auf die Kunden in dieser Weise einzuwirken und Ihnen den Wert eines Webauftritts, etc. verständlich darzulegen.

6 | Thomas schrieb am 12.10.2007 um 13:33
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Lokales Netzwerk unverzichtbar
Also ich bin zwar vom Auftragsvolumen her nicht so weit, aber ab und an gab es auch schon die Situation, in der ich dachte: ach du scheisse, jemanden ablehnen geht ja gar nicht, nachher ist im Sommer wieder Loch.
Und in diesen Zeiten habe ich angefangen, mein Netzwerk etwas auszudehnen. ich finde man kann als Freelancer/Einzelkämpfer gar nicht richtig arbeiten, wenn man das nicht hat. Denn alles, wie hier schon erwähnt, kann man nicht können. Bei mir hörts bei SEO auf – da hab ich einfach keinen Bock drauf, auch wenn ich langsam die Grundregeln lerne.

Auch habe ich die erfreuliche Erfahrung gemacht, dass es doch kein so schlimmes Haifischbecken im Bereich der Freelancer ist: wenn ich was abgebe, bekomme ich es doppelt zurück. Man fällt auch mal rein, aber in der Regel macht sich Vertrauensvorschuss bezahlt.

Wir wollen die Gelegenheit zur Eigenwerbung natürlich hier nicht verpassen: mein Spezialgebiet ist Drupal. ;)

7 | Christian schrieb am 12.10.2007 um 14:16
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@stefano Gerade das finde ich irgendwo schade. Ich selbst habe schon Anfragen bekommen wo ich das 4. Glied in der Kette bis zum Kunden sein sollte. Ich finde das erstens dem Kunden gegenüber unfair, da er letztendlich immer mit dem falschen spricht und nie mit dem der eigentlich wirklich für seine Seite verantwortlich ist. Zudem will dann auch jeder was vom eh schon kleinen Kuchen abhaben und der letzte bekommt nur noch die Krümel. Deine Überlegung verstehe ich aber, den einen Kunden den man aus der Hand gibt sieht man so schnell auch nicht wieder… schwierige Sache.

@Hasch Du hast recht, das Gefühl kenne ich nur zu gut. Nichts desto trotz versuche ich gerade mir für jeden Kunden immer ein ordentliches Zeitpolster einzuplanen um auch wirklich was tolles abliefern zu können. Kommen natürlich wie derzeit etliche Anfragen ist man natürlich dazu geneigt die Zeit für jedes Projekt zu kürzen, aber diese Rechnung geht auch meiner Meinung nach nicht auf… schließlich will man von seinen abgelieferten Seiten später auch selber überzeugt sein.

@Thomas Ich will ja auch nicht sagen das ich mir die Kundschaft aussuchen könnte. Was derzeit passiert ist sicherlich wie jedes Jahr nur ein temporäres Phänomen und hört pünktlich zum Jahresanfang wieder auf, so war es zumindest im letzten Jahr. Bei Kunden wo ich weiß das sie keine Eile haben vereinbare ich daher auch schon jetzt Projekte für Januar 07, und auch solch unwichtigen Sachen wie die eigene Seite plane ich schon für den Zeitraum vor :)

Es ist natürlich gut sich ein Netzwerk zusammenzulegen, doch gerade hier in der Umgebung, also wirklich mal lokal gedacht, fällt mir da kaum jemand ein wo ich einen Interessenten ohne Reue hinschicken könnte. Natürlich kenne ich viele gute Webdesigner, aber die wohnen fast alle nicht hier im Osten ;) Zudem muss man ja auch wie du schon sagtest aufpassen möglichst keine Nutznießer ins Boot zu holen, sondern wirkliche Faire Partner mit denen man auf einer Welle ist.

Schwierig schwierig das ganze und ehrlich gesagt blutet mir da manchmal stark das Herz… zumal man manchmal an wirklich langweiligen Projekten sitzt und dann wieder wirklich interessante Sachen rein kommen die man dann aber aus Zeitmangel oft nicht wahrnehmen kann.

8 | Veit schrieb am 12.10.2007 um 19:54
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Das mit den langen Ketten kommt auf die Umstände bzw. den Kunden an. Bspw. hatte ich auch schon Projekte, die ich alleine niemals geschafft hätte. Da gibt’s einen freien Grafiker in Berlin, mit dem ich oft zusammenarbeite. Der kennt einige Leute – Datenbanken- und Netzwerk-Spezialisten, DTP-Leute, Marketing-Typen und mich als Web-Designer und -Entwickler. Er selbst kann sehr gut vermitteln, zieht sich größere Aufträge an Land und holt sich dann die passenden Leute ran. Zu denen hat er aber auch genügend Vertrauen um sie auch bei technischen Fragen direkt mit dem Kunden kommunizieren zu lassen. Insgesamt ist er so günstiger als viele Agenturen, kann aber dasselbe bieten.

Wegen des Sommerlochs fällt mir gerade noch ein Trick ein: Ich weiß zwar nicht, ob das so funktioniert (bin erst seit diesem Frühjahr als Freiberufler unterwegs), aber mit Kunden, zu denen man ein “vertrauensvolles” Verhältnis hat, könnte man doch sowas ausmachen von wegen: Rechnung wird schon vorher gestellt und bezahlt, das Projekt wird erst Anfang des kommenden Jahres umgesetzt. Setzt natürlich viel Vertrauen voraus und klappt nicht bei jedem Projekt, aber wenn es funktioniert, haben beide was davon.

@Hasch Mir sind eigentlich die “mittleren” Kunden am Liebsten. Die “kleinen” haben meist nicht die finanziellen Ressourcen, dass man ihnen was wirklich “außergewöhnliches” hinstellen kann. Da muss ich auch nach Baukastenprinzip vorgehen. Wenn ich eine Seite für nen Appel und ein Ei bauen soll, kann ich mir dafür nicht viele Wochen Zeit nehmen. So kommt nicht genug zum Leben rein. Die “ganz großen” (die ich oft eh nicht komplett alleine bedienen kann) haben meist schon sehr festgelegte Richtlinien, so dass man da auch nicht sehr kreativ werden kann. Außerdem hat man da oft nicht so sehr den direkten Draht zu demjenigen, der grundlegende Entscheidungen treffen kann. Wenn ich da mit einer neuen Idee komme, wird erstmal ein langer Entscheidungsprozess losgetreten mit Teambesprechung und allem Pipapo, um die Idee dann letztendlich doch abzulehnen. Die “mittleren”, bei denen das Budget nicht zu knapp ist, aber zu denen man einen direkten Draht hat und die auch offen für neue, kreative Ansätze sind, sind mir am liebsten, aber leider selten.

@Thomas Hast du Erfahrung im Aufbau von sozialen Netzwerken mit Drupal? Wichtig sind verschiedene Mitglieds-Levels (mit Bezahlung), und Modul-Programmierung/-Anpassung wäre mit Sicherheit auch nötig. Aufbau/Funktionsumfang ähnlich wie Xing.

9 | Thomas schrieb am 14.10.2007 um 12:15
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@Chrisitian: wenn das regional sehr begrenzt ist bei euch, kann ich sehr empfehlen, mal zu nem Kongress zu fahren (muss natürlich thematisch passen), manche CMSe oder überregionale Usergruppen machen so was ja. Das machst du ja vielleicht sowieso, aber vielleicht nicht mit dem Ziel, Leute zu rekrutieren. Wenn du auf dasAuge.de inserierst, rennen sie dir die Bude ein – und da sind dann auch “Gute” dabei. Ehrlich gesagt mag ich ausser in Ausnahmefällen lieber jemand beschäftigen, den man im Zweifelsfall mal eben persönlich aufsuchen kann und dem man schon mal von Angesicht zu Angesicht gegenübersass. Aber es geht auch ohne.

Weiss nicht ob ich wirklich Menschenkenntnis habe. Wahrscheinlich weniger als ich mir manchmal einbilde, weil ich falle auch ab und zu rein – aber mehr bei Kunden. Wenn ein Kollege “nix kann” (böse gesprochen) oder unzuverlässig oder unseriös ist, findet man das glaube ich recht schnell raus.

@Veit: hihi, ich weiss schon, warum ich nicht auf Eigenwerbung verzichte. Drupal ist schwer im Kommen. Zu deiner konkreten Frage: erstmal bin ich mehr Designer, CSS-Spezi und Komplettumsetzer als Coder. D.h. mit Modulprogrammierung fange ich erstmal nicht an, es reicht mir, wenn ich bald meine eigenen Snippets schreiben kann. Aber ich kenne ein paar Leute, die das können. Ist schon witzig: Xing hat viele Leute inspiriert – und das Prinzip ist ja offensichtlich auch sehr erfolgreich und wohl ein Vorbild, wie man es machen sollte.

Je nachdem wie du es willst geht bei Drupal aber sehr viel mit Contributed Modules, wenn du nicht gerade Xing Konkurrenz machen willst. Einen guten Eindruck davon, wo die Grenze ist, zeigt dieses Video von der Froscon:
http://froscon.erdfisch.de/?q=node/3
vor allem das Fotografending das der Mann beschreibt, sprengt eindeutig die Grenzen dessen, was ohne starke Codeanpassung geht, aber das ist wohl auch ein Hammerteil.

10 | Andy Macht schrieb am 16.10.2007 um 15:57
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Wenn es kein Auftrag ist, den man – aus welchen Gründen auch immer – unbedingt durchführen möchte und an seiner Kapazitätsgrenze arbeitet, dann würde ich den Job ablehnen.
Wenn man dem Kunden erklärt, dass es gerade nicht geht, wenn man Ihm und seinen anderen Kunden gewohnte Qualität bieten will, haben die Meisten schon Verständnis dafür.

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