Seit einigen Monaten bin ich stolzer Besitzer einer EOS 400D, dem Einsteigermodell in Sachen DSLR-Fotografie von Canon. Dieser Body ist weiß Gott kein High-End Apparat, bietet jedoch wie ich finde für den ambitionierten Amateurfotografen alles was man braucht.
In der relativ kurzen Zeit haben sich jedoch schon einige Basics ergeben, die sicherlich noch dem einem oder anderem DSLR-Einsteiger helfen können. Diese möchte ich hier kurz und knapp weitergeben. Die Profis können natürlich abschalten, denn das was jetzt kommt ist sicherlich nichts neues.
Vergesst den Automatikmodus
Viele sind es von den digitalen Kompaktkameras gewöhnt, das der Automatikmodus alles für sie wie gewünscht regelt, was in den meisten Fällen auch gute Ergebnisse bringt. So muss man sich nicht um ISO-Wert, Blende, Weißabgleich und Belichtungszeit kümmern, was gerade in spontanen Situationen sicherlich nützlich ist. Nun kaufen sich jedoch viele nur eine DSLR, weil sie denken die Qualität der erzeugten Fotos würde sich durch den höheren Preis auch steigern. So sehe ich Regelmäßig auf Familienfeiern die lieben Verwandten mit sündhaft teuren und “unhandlichen” DSLR’s herum laufen, wenn ich dann jedoch mal kurz nach Blende und ISO frage wird mir meist mit “Ach, macht die doch alles automatisch” geantwortet.
Vergesst den Automatikmodus an DSLR-Kameras. Eine digitale Spiegelreflexkamera ist meiner Meinung nach nicht primär für Quickshots ausgelegt, sondern viel mehr für bewusstes oder experimentelles Fotografieren. Wählt am Anfang am besten eine reine Belichtungsautomatik. In diesem Modus könnt ihr Blende, ISO und Weißabgleich schnell manuell regeln, die Kamera misst nur noch die benötige Belichtungsdauer. Diese Einstellung bietet meiner Meinung nach ein hohes Maß an Flexibilität, wobei man dennoch aktiv und schnell an der Bildwirkung drehen kann. Der Automatikmodus hingegen wird in vielen Fällen schlechtere Ergebnisse als eine gute Kompaktkamera liefern. Natürlich gibt es am Anfang einige Fehlschüsse weil man einfach die falschen Einstellungen nutzt, doch nach einiger Zeit bekommt man ein gewisses Gefühl dafür, welche Einstellungen wann am besten sind.
Vergesst JPEG
Für Quick’n‘Dirty-Shots aus der DSLR mag eine Speicherung als JPEG eventuell noch ausreichen, für alles andere hat sich diese Option bei mir jedoch verabschiedet. RAW ist aus meiner Sicht das einzig wahre wenn es um die Speicherung der Fotos auf dem Chip geht. Die Vorteile zu JPEG liegen einfach auf der Hand! Die Daten vom Kamerachip werden unverändert auf die Speicherkarte geschrieben. So werden Informationen im Bild gespeichert, die bei einem JPEG unwiderruflich vernichtet worden wären.
Nehmen wir an ihr fotografiert eine Person mit Blitz, und merkt später das das Gesicht durch den Blitz überbelichtet wurde und dadurch viel zu hell erscheint. Bei einem JPEG würde ein bearbeiten des Bereiches unweigerlich zu sichtbaren Qualitätsverlusten führen. Zudem sind überbelichtete Teilbereiche auf jeden Fall verloren. Nicht so bei einer RAW-Aufnahme, hier hat man die Chance das offensichtlich überbelichtete Bild noch um bis zu 2 Helligkeitsstufen abzudunkeln oder auch aufzuhellen, und zwar so wie es auch die Kamera gemacht hätte, also ohne nennenswerten Qualitätsverlust. Im Prinzip ist es wie bei der analogen Fotografie: Man hat ein Negativ, und kann später in der Entwicklung noch aktiv das Ergebnis beeinflussen. Gerade wenn man am Anfang noch einiges bei den manuellen Einstellungen verbockt, und oft zu helle oder zu dunkle Fotos dabei entstehen, kann man diese nachträglich am PC oft noch retten. Nachteil ist natürlich, das nun jedes Foto knapp 10MB Speicherplatz benötigt. Doch seien wir mal ehrlich, Festplatten und Speicherkarten kosten heute nicht mehr die Welt, und auf eine 4GB-Karte passen somit ca. 400 Fotos, was für einen kurzen Ausflug doch meist vollkommen ausreicht. Um das entwickeln des digitalen Negativs kommt man natürlich nicht herum, doch in diesem Sektor gibt es sowohl freie als auch kommerzielle Software die dies schnell erledigen. So versteht Adobe Photoshop sich seit CS3 auch ohne Probleme mit allen üblichen RAW-Formaten. Wer kein Geld ausgeben möchte kann auch zum RAW-Shooter greifen.
Lernt wie eure Kamera arbeitet
Ich muss zugeben, einige Details und Kenngrößen sind auch zu mir noch nicht vorgedrungen, doch versucht das Prinzip eurer Kamera zu verstehen. Zum Beispiel das Thema der richtigen Blendengröße: Was sind die Vor und Nachteile einer kleinen oder großen Blende? Welcher ISO-Wert ist für welche Lichtumgebung geeignet? Was passiert bei einer Belichtungsreihe? Was finden sich in den Menüs für sonderbare Einstellungsmöglichkeiten und was sagt das Handbuch dazu? Am Anfang wird es etwas dauern bis man das Prinzip was überhaupt hinter so einem Kasten steckt begreift, doch wenn man erstmal die Grundlagen begriffen hat ergibt sich ein riesen Vorteil: Man weiß was man braucht und will, auch was das Equipement betrifft! Muss es wirklich das teuerste Objektiv auf dem Markt sein, oder langen für meine Bedürfnisse auch die Kenngrößen der kleinen 50mm Festbrennweite für 100€? Ohne die gewissen Grundlagen und einem Verständnis für die Kenngrößen wird man hier meist das Falsche wählen, denn teuer muss nicht immer gleich passend heißen.
Es darf auch eine Festbrennweite sein
Kollege und Freund Alexander, gab mir im Februar auf dem Barcamp Hannover den entscheidenden Tipp, der mich erst so richtig für meine Kamera begeisterte. Der simple Tipp lautete: “Kauf dir mal ne 50mm Festbrennweite”. Wieder zuhause kaufte ich mir besagtes Objektiv, allerdings die Low-Budget Version für knapp unter 100€ (übrigens so ziemlich das günstigste Objektiv das es gibt). Nachdem ich das Objektiv auf den Body steckte eröffneten sich mir auf einmal völlig neue Möglichkeiten! Vorbei die Zeiten in denen man bereits bei dämmrigem Licht zum internen Blitz greifen musste. Das öffnen der Blende auf bis zu 1.8 machte das Objektiv so Lichtstark, das man viel öfter mit natürlichem Licht arbeiten konnte. Natürlich sinkt bei einer solch offenen Blende auch der Schärfebereich extrem ab, doch ein schönes Bokeh hat schon so manchem Bild zum Liebling verholfen. Kurz und knapp: Eine Festbrennweite sollte bei jedem ein Muss im Repertoire sein. Die Objektive sind meist relativ erschwinglich, klein in ihrer Größe, bringen Farben natürlich rüber, sparen einem oft die Verwendung des Blitzes und ermöglichen die Spielerei mit der Tiefenschärfe. Natürlich hat man keinen variablen Zoom mehr, doch ist es meistens eh nur die Bequemlichkeit für die wir einen Zoom benötigen. Meist genügen ein paar Schritte und man bekäme auch mit einer Festbrennweite das Objekt in die richtigen Proportionen.
Der Kamerabody ist ein Schnäppchen…
… in Relation zu dem was Objektive und anderes Zubehör kosten. Ein ordentliches Objektiv mit Ultraschallmotor und Bildstabilisator kostet schnell mal das doppelte von dem, was ein normaler Body kostet. Auch ein Blitz oder ein ordentliches Stativ kann schnell ins Geld gehen. Mit den beigelegten Kit-Objektiven hat man zwar meist erstmal eine gewisse Grundlage, doch irgendwann merkt man, das mit diesen die Möglichkeiten auch stark eingegrenzt sind. Dennoch: Das Equipment ist wohl meist der kleinste Faktor auf dem Weg zum perfektem Bild! Es muss nicht immer das teuerste Objektiv sein, und gerade am Anfang reichen auch oft die Einsteigermodelle von Sigma, Tamron und Co. Zudem bringt einem die beste Technik nichts, wenn man diese nicht ordentlich zu nutzen weiß. Auch hier gilt die Devise: Ein Setup für mehrere tausend Euro muss im Automatikmodus noch lange keine guten Bilder machen.
Fazit
Natürlich sind alle meine Empfindungen subjektiv, doch ich hoffe das der eine oder andere der evtl. gerade eine DSLR gekauft hat oder noch mit dem Gedanken spielt, ein paar Dinge aus dem Artikel ziehen konnte.
Sollte Interesse bestehen weitere Punkte des Artikels aus meiner Amateursicht näher zu beleuchten bin ich natürlich für Fragen immer offen.
So, und der nächste Artikel hat dann auch wieder mit den eigentlichen Kernpunkten des Blogs zutun, versprochen!
Kommentare zum Thema Was ich bisher über digitale Fotografie gelernt habe:
@Markus Es war natürlich nicht so gemeint, das man sich bei RAW keine Gedanken mehr um die Einstellungen machen muss, ich z.B. sehe ja in der Vorschau bereits ob ich mit den aktuellen Einstellungen etwas verbockt habe, wenn ja… dann passe ich die Einstellungen an. Nun war das erste Foto aber von allen Fotos das beste, bei JPEG könnte ich das Foto vergessen, bei RAW könnte ich die leichten Fehler evtl. noch ausbügeln.
Was die Rauschunterdrückung angeht, so habe ich für mich entdeckt, das der Rauschentferner in Lightroom doch fast identische Ergebnisse bringt wie die direkte Rauchreduzierung beim JPEG, so das ich auch bei meinen RAWs nicht auf die Rauschunterdrückung verzichten muss. Generell sortiere ich mir in Lightroom alle RAW-Aufnahmen mit ISO > 800 heraus, und synchronisiere Sie alle auf einen Schlag für die Rauschentfernung… klappt finde ich super. Allerdings habe ich bei vielen Bildern eigentlich auch nichts gegen eine gewisse Körnung.
Sicher ist RAW kein Zaubermittel, doch ich hätte mich schon so manches mal schon heftig geärgert wenn ich es nicht genutzt hätte… und da man nie wissen kann welche Situationen einem jetzt begegnen habe ich generell immer auf RAW geschaltet. Wirkliche Nachteile ergeben sich daraus finde ich nicht.
Wer sich wenigstens ein wenig mit Photoshop auskennt und CS(3) hat, wird am RAW Format nicht vorbei kommen. Damit kann man die Fotos auch im Nachhinein sauber bearbeiten und auffrischen.
Ich bin mit meiner 400D sehr zufrieden und nutze diese nur für private Zwecke. Bislang habe ich mich davor gestreubt, mir ein “günstiges Objektiv” zu kaufen. Kannst du mir mal den genauen Namen oder den Amazon Link vom Objektiv geben?
Hi Eugen, genau so sehe ich es auch. RAW hat gegenüber JPEG einfach kaum Nachteile, und massenweise Vorteile… und da der Speicherplatz heute günstiger denn je ist sehe ich kaum noch Pluspunkte für JPEG.
Was das Objektiv angeht: Zum Einstieg würde ich dir das 50mm 1.8 II von Canon empfehlen. Solltest du aber doch etwas mehr Budget haben kannst du auch gleich zum großen Bruder greifen. Ich habe aktuell ersteres und finde es für meine Amateurzwecke vollkommen ausreichend. Klar, der Motor und der Autofokus sind unter schwierigen Lichtbedingungen etwas hackeliger als beim 1.4er Model, aber alles in allem macht das Teil echt super Fotos, und man kann sein Kit-Objektiv eigentlich fast vergessen :D Und zu dem Preis ist es einfach unschlagbar und sollte in jede kleine Fototasche gehören.
Danke für die Gedanken, die du hier hier veröffentlicht hast. Ich habe mir vor kurzen eine gebrauchte 350D zugelegt und mittlerweile auch schon einige Erfahrungen gesammelt. Über die Festbrennweite werde ich mal nachdenken. RAW ist schon toll, aber oftmals reichen die JPEGs auch aus, so dass RAW+JPEG eventuell wirklich die beste Einstellung ist. Ich mühe mich nämlich momentan damit ab mehrere hundert RAW-Fotos zu JPEGs zu exportieren; das ist mir eigentlich zu zeitaufwändig …
Hallo Matthias, RAW+JPEG ist eigentlich Schmarn und schmälert natürlich auch die Kapazität der zu fotografierenden Fotos erheblich. Natürlich sind RAW-Aufnahmen in Sachen Austausch und Fremdnutzung, z.B. auf Flickr noch sehr unhandlich.
Seit dem ich jedoch Lightroom nutze ist dieser Manko für mich schon abgeschwächt, denn die Batch-Entwicklung von Lightroom funktioniert je nach Menge der Daten schon sehr ordentlich, und auch der direkte Export von RAW auf Flickr ist mittels eines Plugins direkt und einfach möglich.
Nun kostet Lightroom aber natürlich auch ein paar Euro, und somit müsste man mal schauen ob nicht z.B. auch Picasa ähnliche Features im Umgang und Export von RAW-Formaten bietet.
Wie gesagt, natürlichen reichen bei 95% der Aufnahmen auch JPG-Daten, doch ich habe mich Anfangs wirklich oft geärgert… da hat man das “perfekte” Foto geschossen, nur ist es einen Tuck überbelichtet… mit JPEG kann man dann aus den Fotos nicht mehr das rausholen was man mit RAW schaffen würde. Sich danach zu ärgern ist halt immer Sinnlos, eine zweite Chance gibts halt meist nie :)
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Beim Thema RAW muss ich etwas relativieren: Gerade für den Anfänger ist es wichtig, auch ein paar schmerzliche Erfahrungen zu machen und nicht ständig im Hinterkopf zu haben, dass man ja alles mit RAW nachträglich zurechtbiegen könnte. Zudem sind die Bildprozessoren der Kameras derartig gut, dass mit dem JPEG-Format mittlerweile die bessere Bildqualität erreicht wird, was man vor allem beim Bildrauschen beobachten kann.
Bei einer Nikon D300, die ja als absolutes “Rauschwunder” gilt, bekommst du mit keiner RAW-Software (einschließlich dem Nikon-eigenen Capture NX 2), dieses geringe Bildrauschen mit gleichem Detailreichtum aus einem RAW-Bild hin – schon gleich nicht mit Adobe Camera RAW (ACR), also dem Photoshop RAW-Konverter, oder RAW-Shooter, das jetzt ja als Adobe Lightroom bekannt ist.
RAW ist eine Rückversicherung für schwierige Situationen wie z.B. Hochzeitsfotos oder Bilder bei Live-Konzerten. Weil sich aber gerade der Anfänger noch keinerlei Gedanken zu einem RAW-Workflow gemacht hat, entstehen für ihn durch die RAW-Fotografie eigentlich mehr Probleme, als es ihm in diesem Stadium nützt.
Noch vor 1-2 Jahren konnte man aus RAW-Dateien teilweise besser Qualität hervorzaubern – jetzt ist es zu 90% ein Rückschritt in der Bildqualität, sofern man gelernt hat, mit seiner Kamera umzugehen.
Ich fotografiere in schwierigen Situationen RAW+JPEG und lösche die RAW-Dateien, wenn es keine Probleme mit dem Bild gibt.